Literaturempfehlungen

Vergewaltigung - Aspekte eines Verbrechens (Mithu Sanyal)

»Die Art, wie wir über Vergewaltigung denken, steht in einem erschütternden Verhältnis zu der Art, wie wir über Sex denken – und damit sind Sexualität und Geschlecht gleichermaßen gemeint.«

Mithu M. Sanyal

Wie sprechen wir über Vergewaltigung und welche Konzepte und Diskurse liegen dem zugrunde? Mithu M. Sanyal analysiert klug und kenntnisreich, welche Rolle Geschlechterbilder und Rassismus dabei spielen und was Selbstbestimmung und Konsens wirklich bedeuten. Sie zeigt, wie über Jahrhunderte nicht nur Sexualität, sondern auch Gewalt mit Geschlechterkategorien verknüpft wurde, und entwickelt Perspektiven, wie Vergewaltigung gesellschaftlich verhindert werden kann.

In ihrem Nachwort reflektiert Sanyal die Entwicklungen seit Erscheinen des Buches 2016, sie schreibt über Repräsentation und #MeToo, Shitstorms und Solidarität.

Wege zum Nein - Emanzipative Sexualitäten und queer-feministische Visionen Beiträge für eine radikale Debatte nach der Sexualstrafrechtsreform in Deutschland 2016 (Sina Holst & Johanna Montanari [Hg])

 

„Wege zum Nein“ betrachtet die Reform des Sexualstrafrechts 2016 im gesellschaftlichen Kontext sexueller Gewalt, sexueller Selbstbestimmung und Emanzipation. Antirassistische queer-feministische Perspektiven beziehen klare Positionen, machen sich angreifbar und treten in Austausch miteinander. Sexualstrafrecht, #NeinHeisstNein, rassistische Instrumentalisierung, Rassismus in Deutschland, Vergewaltigungskultur, persönliche Erfahrungen, feministische Geschichte_n und Konsens werden nicht als Einzelthemen, sondern in ihrer Abhängigkeit voneinander diskutiert. Dabei ist die zentrale Frage, wie Räume sozialer Interaktion geschaffen werden können, in denen Nein nicht nur möglich ist, sondern wertgeschätzt wird. Die Publikation gibt einerseits unterschiedlichen Analysen Raum, die den gesellschaftlichen Status Quo thematisieren und attackieren. Andererseits entwirft und formuliert sie Argumente und Visionen, diesen Status Quo zu verändern, sich Handlungsmacht anzueignen und diese zu erweitern.

 

Sprechen und Schweigen über sexualisierte Gewalt (Lilian Schwendter)

Spätestens die Reaktionen auf #metoo haben gezeigt, dass auch das Sprechen über sexualisierte Gewalt selbst von Gewalt geprägt ist, die Betroffene zum Schweigen bringt. Das bedeutet häufig eine zweite Gewalterfahrung und ein erneutes Versagen der sozialen Gemeinschaft darin, die Betroffenen zu schützen. Was „Entstimmlichung“ genau bedeutet, wie sie konkret abläuft und welche gravierenden Auswirkungen dies auf die Betroffenen hat, analysiert Lilian Schwerdtner systematisch und mit klarer Sprache. Anhand von Beispielen wird deutlich, dass zu den Mechanismen sprachlicher Gewalt nicht nur die Verharmlosung der Gewalterfahrungen gehört, sondern auch die Pathologisierung der Betroffenen, die Festlegung auf den Opfer*status oder die Reproduktion von Verletzlichkeitsnarrativen. Aus der Analyse dieser Mechanismen folgt für Schwerdtner ein Nachdenken über die Bedingungen für gelingend(er)es öffentliches Sprechen über sexualisierte Gewalt. Gelingenderes Sprechen unterläuft die Mechanismen sprachlicher Gewalt und zielt auf die Anerkennung Betroffener mitsamt ihrer Verletzung, aber gleichzeitig als „ganze Menschen“.

 

Was macht uns wirklich sicher? - Ein Toolkit zu intersektionaler transformativer Gerechtigkeit jenseits von Gefängnis und Polizei (Melanie Brazzell [Hg.])

Wie können wir von Gewalt betroffene Personen unterstützen, ohne dass rassistische Überwachung und Sicherheitsregime gefestigt werden?

Dieses Toolkit stellt das Sicherheitsversprechen des Staates im Falle von sexualisierter- und Partner_innengewalt in Frage, weil Techniken wie Polizei, Gefängnis und Grenzen Gewalt (re)produzieren anstatt sie zu beenden. Nach den Ereignissen der Silvesternacht 2015 in Köln forderten u.a. auch weiße feministische und LGBT Mainstreamorganisationen den Staat auf, für mehr ‚Schutz‘ zu sorgen. Doch der vermeintliche Schutz von marginalisierten Gruppen ist ein Vorwand, um Polizei und Justiz weiterhin Gewalt gegen People of Color und Migrant_innen ausüben zu lassen. Das Toolkit thematisiert die Verquickungen staatlicher Gewalt mit verschiedenen Formen von zwischenmenschlicher Gewalt in Deutschland, um zu zeigen, dass der Staat diese Gewalt ermöglicht anstatt sie zu verhindern. Wenn uns Polizei und Grenzen keine Sicherheit bieten können, welche Alternativen haben wir? Wie können wir uns selbst Sicherheit schaffen?

 
Antisexismus_reloaded - Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt – ein Handbuch für die antisexistische Praxis (re.ACTion [Hg.])

Dieser Leitfaden richtet sich sowohl an Menschen, die sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben als auch an solche, die Erfahrungen im Umgang mit sexualisierter Gewalt gemacht haben. Anschaulich und zugleich fundiert werden die entscheidenden Punkte angesprochen, kontextualisiert und Vorschläge für einen reflektiertes Handeln gemacht. 

Ein weiterhin aktuelles Buch, das sich zu Themen wie Definitionsmacht, Parteilichkeit, Veröffentlichung, Unterstützer*innengruppen, Umgang in Politgruppen, Täterumgang und vielem mehr äußert.

 

 

Frauen*rechte und Frauen*hass – Antifeminismus und die Ethnisierung von Gewalt (Autor*innenkollektiv Fe.In)

Antifeminismus will die Errungenschaften der (queer)feministischen Bewegungen zurückdrehen: durch Begriffsumdeutungen, Angriffe auf reproduktive Rechte, Ressourcen und Gleichstellungsmaßnahmen. Akteur*innen der extremen Rechten, Konservative und die "gesellschaftliche Mitte" treffen sich in einer Ideologie von Frauen*hass und LGBTIQ*feindlichkeit. Sie vereint der Wunsch nach einer binären Geschlechterordnung und einer Männlichkeit, die gemeinhin als »toxisch« bezeichnet wird. Antifeminismus kann auch tödlich sein: Der Glaube an männliche Vorherrschaft stellt die Basis für sexualisierte Gewalt, Femizide und Terrorismus dar. Paradoxerweise hat die Rechte »Frauenrechte« dort für sich entdeckt, wo die »weiße Frau als Opfer« eine scheinbar neue Mobilisierungskraft entfalten kann: in Kandel, Chemnitz oder Wien.

Wo antifaschistische Kritik diese rassistischen Frauenrechtskämpfe als reine Instrumentalisierung abtut, wird verkannt, dass das Engagement rechter Frauen* auch als Selbstermächtigung funktioniert – die jedoch antifeministisch bleibt. Dagegen stellt dieses Buch einen Feminismus, der die patriarchale Ordnung hinterfragt, Männlichkeit nicht heilen will und grundlegend antifaschistisch ist.

 

Zines, Podcast, Blogs

Podcast: not your opfer - Der Podcast über sexualisierte Gewalt

Not your Opfer – das sind Birte, Jule und Lilly. Uns eint der Aktivismus gegen sexualisierte Gewalt und der Glaube daran, dass selbstbestimmtes Sprechen über sexualisierte Gewalt notwendig ist, um patriarchale Normen, Vergewaltigungsmythen und schädliche Erwartungen an Betroffene wirksam bekämpfen zu können. Daher melden wir uns mit dem Podcast zu Wort! Wir wollen Betroffene unterstützen und Empowermentstrategien teilen, Informationen für alle (anderen) zur Verfügung stellen und deutlich machen, dass Sprechen über sexualisierte Gewalt nur dann beschämend und verletzend ist, wenn Betroffene nicht selbst entscheiden können, wie gesprochen wird. Birte und Lilly sprechen entweder gemeinsam oder laden weitere spannende Gäste zu sich ein.

Blog: Wir sind nicht alleine

“Da es nicht sehr einfach ist das Thema ‚sexueller Mißbrauch durch Frauen‘ im Alltag anzusprechen dachte ich mir, ich versuche es mal mit einem Blog, um andere Betroffene zu erreichen. Denn: Du bist nicht allein. Ich bin nicht allein. Wir sind nicht allein.“

 

Blog: ansichtssache

„Wir wollen hier auf diesem Blog zeigen, dass es auch andere Ansichten zu diesem Themen [sexualisierte Gewalt in der Kindheit] gibt: und zwar eine politische aus Betroffenen-Perspektive. Uns geht es an dieser Stelle also nicht darum zu zeigen, wie furchtbar und schlimm sexualisierte Gewalt für die Betroffenen ist (was es ist!!!), sondern darum dieses Thema als eingebettet in Machtstrukturen zu betrachten und eine politische Sichtweise auf dieses Thema einzufordern.“

 

Philly’s pissed

Philly Stands Up is small collective of individuals working in Philadelphia to confront sexual assault in our various communities. They believe in restoring trust and justice within our community by working with both survivors and perpetrators of sexual assault. Their homepage offers an impressive collection of feminist zines on the topics of rape prevention and dealing with rape, both in relation to victims and perpetrators. Furthermore, some links "to organisations and people we think are dope".

 

Solidarität mit allen Betroffenen

Dieser Text wurde uns anonym zugeschickt, mit der Bitte ihn zu veröffentlichen.
Der Text handelt von verschiedenen Gewalterfahrungen und den daraus entstehenden Gedanken und Forderungen.
Potentielle Trigger: sexuelle, körperliche, verbale, emotionale Gewalt gegen Kinder und Erwachsene wird erwähnt und beschrieben.

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