Feministische Perspektiven auf sexualisierte

und häusliche Gewalt in Zeiten von Corona

Online-Panel zum Anhören und Ansehen

 

Am 04.05.2020 haben wir ein Online-Podium veranstaltet zu dem Thema: DAS PRIVATE BLEIBT POLITISCH! - Feministische Perspektiven auf sexualisierte und häusliche Gewalt in Zeiten von Corona

 

Es wird viel über Solidarität, Unterstützung und geteilte Verantwortung gesprochen. Doch wem gilt die Solidarität und wer bleibt unsichtbar?

 

Viel Hände waschen, den Nachbar*innen aus der Risikogruppe beim Einkaufen helfen, haltet Abstand und ansonsten bleibt zu Hause. Die Handlungsanweisungen sind klar.

 

Doch für wie viele Menschen ist es unmöglich, zu Hause zu bleiben? Weil sie auf der Straße leben, weil sie auf Grund von Krieg, Hunger, Gewalt und Folter auf der Flucht sind und an europäischen Außengrenzen erneut Gewalt ausgesetzt oder in überfüllten Lagern eingesperrt werden. Und was ist, mit Menschen, die ein zu Hause haben, welches ihnen aber keinen sicheren Rückzugsort bietet? Ein „zu Hause“, aus dem so gut wie jede Möglichkeit sich zu entziehen, genommen wurde, ein "zu Hause" in dem Abstand unmöglich ist. Wenn soziale Konflikte und Krisen zunehmen, ist weiterhin oft die Familie die letzte Basis, die zur Unterstützung herhalten soll. Gewalt in Familien und Partner*innenschaften kann immer ein Ausdruck einer männlichen Vormachtstellung in hierarchischen Geschlechterverhältnissen sein und zur Kompensation von ökonomischer Prekarisierung und Unsicherheit dienen. Doch gerade in der jetzigen Situation wird diese Gewalt, die sich in den allermeisten Fällen gegen Frauen, inter-, trans- und nicht-binäre Personen sowie gegen Kinder richtet, verstärkt und begünstigt.

 

Obwohl das Gewaltrisiko steigt, fallen Verletzungen von Betroffenen im akuten Krisenmodus weniger auf und der Rückgriff auf Unterstützungsangebote und der Rückhalt von sozialen Netzwerken wird für viele erschwert bis verunmöglicht. Auch die nötige Solidarität für Menschen, die Unterstützung im Umgang mit vergangenen Gewalterfahrungen brauchen, wird nicht mitbedacht.

 

Sexualisierte und häusliche Gewalt werden leider immer noch viel zu oft individualisiert gedacht und verhandelt. Die Verantwortung wird auf den Einzelfall verschoben und die strukturellen Mechanismen werden nicht betrachtet. Gerade in Zeiten von Corona ist es daher unumgänglich, dieser Verdrängung ins "Private" entgegenzuwirken!

 

Gemeinsam mit Lilian Schwerdtner (Actions Against Rape Culture), Alexandra Vogel (DaMigra), Mado (Women in Exile), Mithu Sanyal und Martina Hävernick haben wir über Bedingungen für Sichtbarkeit und Möglichkeiten einer sozialen, politischen und strukturellen Veränderung diskutiert.

DAS PRIVATE
BLEIBT POLITISCH!

DAS PRIVATE
BLEIBT POLITISCH!

DAS PRIVATE
BLEIBT POLITISCH!